Für deutschsprachige Interessierte sind hier eine Einführung in die Problematik sowie Fragen und Antworten in deutscher Übersetzung:
 
Worum es geht:
Es geht kurz gesagt darum, zu prüfen, ob es sinnvoll ist, die großen kulturellen Mitgliedsorganisationen der dänischen Minderheit in einer Organisation zu vereinen.
 
Wozu es gut sein soll:
Kurz:
  • Etablierung einer demokratisch legitimierten und beschlussfassungsfähigen übergeordneten Struktur in Form eines Regionsrates
  • Einsparungen durch Konsolidierung von Verwaltungsaufgaben
  • Demografischer Ausgleich
  • Stärkung von Bewusstsein und Verantwortung für die Gesamtheit der dänischen Minderheit
 
Warum es nicht so weitergehen sollte wie bisher:
Stellen Sie sich ein Parlament vor, das keine rechtsverbindlichen Entscheidungen durch Abstimmungen treffen und Vereinbarungen letztendlich nur durch Einstimmigkeit umsetzen kann. Dies ist der Fall im Det Sydslesvigske Samråd, ein unverbindlicher Zusammenschluss der südschleswigschen Organisationen, der sich aus deren haupt- und ehrenamtlichen Spitzenfunktionären zusammensetzt. Die einzelnen Organisationen sind eigenständige Einheiten, die als eingetragene Vereine eine Planungs- und Entscheidungssicherheit durch ihre Rechtsform sicherstellen. Über den einzelnen Organisationen wölbt sich juristisch gesehen jedoch der blaue Himmel, was zur Folge hat, dass Belange, die für die gesamte Minderheit von Bedeutung sind, oftmals von zähen und zeitraubenden Auseinandersetzungen im Det Sydslesvigske Samråd geprägt sind.

So hat beispielsweise eine der jüngsten Divergenzen zwischen den Organisationsspitzen dazu geführt, dass der dänische Staat 2 Millionen Kronen an Bewilligungen für ein wichtiges Kommunikationsprojekt zurückzog. Mit einer demokratisch legitimierten und beschlussfassungsfähigen übergeordneten Struktur, hätte man trotz Unstimmigkeiten eine angemessene Entscheidung herbeiführen können. Immer wieder führen Unstimmigkeiten, die darüber hinaus leider oft auch persönlich motiviert sind, dazu, dass Entscheidungen entweder nur schwer oder überhaupt nicht herbeigeführt werden können. Etwas spitz formuliert, wird die Minderheit in ihrer Ganzheit von einem starren, konkurrierenden Lobbyismus geprägt. Das ist weder verwerflich noch verwunderlich, sorgt doch gerade die fehlende Struktur dafür, dass die Vertreter der einzelnen Organisationen in erster Linie ihre eigenen Interessen vertreten und erst an zweiter Stelle die Interessen der Gemeinschaft. Letztendlich ist jedoch gerade dieser Umstand dafür verantwortlich, dass sich die Minderheit in ihrer Gesamtheit sehr viel schleppender weiterentwickelt, als dies mit einer zweckdienlicheren Struktur der Fall wäre.

 

Doppel- und Dreifachverwaltung
Nahezu alle Organisationen haben ihr eigenes Gebäudemanagement, ihr eigenes Finanz- und Personalwesen. Diese parallelen Bindungen an personellen und damit finanziellen Ressourcen sind wirtschaftlich unvernünftig, weil hier Geld für Aufgaben ausgegeben wird, das die Minderheit an anderer Stelle viel zweckmäßiger einsetzen könnte. Vor diesem Hintergrund ist eine Konsolidierung von Verwaltungsaufgaben mehr als angebracht.
 
Schieflage
Im SSF sind die „Alten“, im Schulverein und SdU die „Jungen“. Warum muss das so sein? Warum geht die Alten die Schule nichts an und warum tragen die Jungen für die kulturellen Belange keine Verantwortung. Viele der Jungen und vor allem „neue“ Minderheitenmitglieder entwickeln gerade im kulturellen Bereich nur selten ein Engagement. Dies wäre jedoch für alle Bereiche von großer Bedeutung. Eine Zusammenlegung der drei oben genannten Organisationen würde einen demografischen Ausgleich herbeiführen.
 
Verantwortung und Bewusstsein

Darüber hinaus würde die Zusammenlegung zu einer Stärkung von Bewusstsein und Verantwortung für die Gesamtheit der dänischen Minderheit führen.

 

 

Zum Model in deutscher Übersetzung gehts hier entlang

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wie werde ich Mitglied?
Wird ein Kind in einer dänischer Institution wie Krippe, Kindergarten, Schule oder Hort angemeldet, werden die Eltern automatisch Mitglied im Verein der dänischen Minderheit. Mitglieder in Sport- und Jugendvereinen, die der dänischen Minderheit angehören, werden gleichzeitig Mitglieder der dänischen Minderheit. Eine direkte Mitgliedschaft ist ebenfalls möglich. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Ggf. fallen Kosten in Form von Mitgliedsbeiträgen für die Mitgliedschaft in beispielsweise einem Sportverein an. Mitglieder erhalten eine Informationsbroschüre über die dänische Minderheit und eine Mitgliedskarte.
 
 
Kann ich der dänischen Minderheit angehören, ohne Mitglied im Verein der dänischen Minderheit zu sein?
Ja. Nichtmitglieder haben jedoch weder ein passives noch aktives Wahlrecht im Verein der dänischen Minderheit.
 
 
Kann ich in einem der dänischen Minderheit angehörigen Sportverein Mitglied sein oder meine Kinder in den dänischen Kindergarten geben, ohne eine Mitgliedschaft im Verein der dänischen Minderheit einzugehen?
Nein. Auch heute kann man ohne Mitgliedschaft weder in einem dänischen Verein Fußball spielen oder sein Kind in eine dänische Einrichtung (Krippe, Kindergarten, Schule, Hort) gehen lassen.
 
 
... und was wird mit den dänischen Jugendorganisationen (SdU), dem dänischen Schulverein (Dansk Skoleforening) und dem kulturellen Dachverband der dänischen Minderheit (Sydslesvigsk Forening)? Gibt es die dann nicht mehr?
Nicht in ihrer heutigen Form. Aber alles, was die heutigen Vereine (SdU, Schulverein und SSF) anbieten, wird es auch mit der neuen Konzeption uneingeschränkt geben. Das einzige, was sich verändert, ist die Vereinsstruktur. Die Organisationen existieren nicht um ihrer selbst willen, sondern für die Menschen, die sich in den verschieden Bereichen der dänischen Minderheit organisieren und engagieren möchten.
 
 

Führt das neue Vereinskonzept nicht zu einer drastischen Entdemokratisierung und zu noch mehr Abstand zwischen der Organisationsspitze und der Basis?
Nein, ganz im Gegenteil: In der dänischen Minderheit gibt es keine demokratischen Strukturen auf übergeordneter Ebene. Es gibt regelmäßige gemeinsame Unterredungen zwischen den Vereinen (Det Sydslesvigske Samråd), jedoch gleicht diese Form der Konsensfindung eher einer schlecht regulierten Anarchie (der Samråd hat de facto keinen gesetzlichen Rahmen), wo Lobbyisten das Geschehen dominieren, als einer legitimierten Entscheidungsinstanz. Dass die unterschiedlichen Interessengebiete an Entscheidungsprozessen, die die gesamte Minderheit betreffen, Anteil haben, ist unserer Ansicht nach ein demokratisches Grundprinzip. So soll eine neue Struktur die demokratischen Prozesse bewahren und die Verantwortung für die Belange der dänischen Minderheit auf mehrere Schultern verteilen. Sie wird den Abstand zwischen Basis und Organisationsspitze nicht vergrößern, sondern ganz im Gegenteil dafür sorgen, dass das, was alle angeht, auch von allen gelöst wird und dass "Gärtchendenken" und Sonderinteressen beiseitegelegt werden. Aus einer solidarisch und demokratisch ganzheitlichen Perspektive, wäre dies der dänischen Minderheit sehr zuträglich. Darüber hinaus werden viele Menschen es spannender finden, sich für die Gesamtheit der dänischen Minderheit einzusetzen, als lediglich für isolierte Bereiche. Eine Zentralisierung der Verwaltungen führt nicht zu einer Entdemokratisierung, sondern zu einer Entbürokratisierung und somit zu einer Reduzierung von Verwaltungsausgaben, die schließlich den Nutzern zugutekommen.
 
 

Wird ein solcher Verein nicht viel zu groß und unübersichtlich?
Das ist eine Frage der Organisation. Der ADAC oder das Deutsche Rote Kreuz werden ebenfalls erfolgreich als Vereine geführt. 
 
 
Ist das neue Vereinskonzept eine Gefahr für den Pluralismus und die vielfältige Vereinslandschaft in Südschleswig?
Nein. Wir sind starke Befürworter eines pluralistischen Südschleswigs; Pluralismus verstanden als Koexistenz verschiedener Interessen innerhalb einer bestehenden Gemeinschaft. Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, die in der Lage ist, demokratische Beschlüsse zu fassen. Dies soll das neue Konzept sicherstellen. Der Regionsrat soll sich ausschließlich solcher Themen annehmen, die von übergeordnetem Belang sind und Entscheidungen durch Abstimmung erfordern. Alles andere, d.h. so gut wie alles, was die heutigen Organisationen (Schulverein, SdU oder SSF) regeln, soll zukünftig in Abteilungen und Ausschüssen organisiert und entschieden werden. Ein konsensfähiger Pluralismus setzt voraus, dass Macht möglichst gleich verteilt ist und dass alle Beteiligten sich an eine Grundordnung halten. Vor diesem Hintergrund ist zu hinterfragen, wie gut es um den Pluralismus in Südschleswig steht. Viele verschiedene Vereine begründen nicht automatisch eine pluralistische Gemeinschaft. 
 
 
Werden die Interessen der heutigen Vereinsmitglieder bzw. der Eltern durch das neue Vereinskonzept geschwächt?

Nein. Der Regionsrat soll sich lediglich mit ganz übergeordneten Themenbereichen beschäftigen. Weder in Dänemark noch in Deutschland sind Eltern ohne Einflussmöglichkeiten, weil Schulen in kommunaler Trägerschaft sind. Hierzu gibt es schulgesetzlich verankerte Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte der Eltern, die auch im Schulgesetz verankert sind.  

 
 
Werden die übrigen dänischen Organisationen, die heute einen Sitz im Samråd haben, zu Außenseitern?
Es ist von großer Bedeutung, dass die Organisationen, die heute im Samråd vertreten sind auch weiterhin ihren Einfluss geltend machen können. Wie dies geschehen kann ist jedoch noch eine der ungeklärten Fragen. Im Samråd können die südschleswigschen Organisationen versuchen, ihren jeweiligen Einfluss geltend zu machen, aber ein Recht, oder auch nur die Möglichkeit, eine rechtsverbindliche Stimme abzugeben haben sie nicht. 
 
 
Koppelt das neue Vereinskonzept die nationale Gesinnung an die Vereinsmitgliedschaft?
Nein! Auch in dieser Hinsicht hat die neue Konzeption keinerlei Einfluss auf die Zugehörigkeitsverhältnisse. Man kann sich auch ohne Mitgliedschaft in einem Verein als der dänischen Minderheit zugehörig bezeichnen – ganz genau so, wie dies auch heute der Fall ist.
 
 
Führt das neue Vereinskonzept nicht zu einer sehr zentralistischen Struktur in der dänischen Minderheit?
Das Model soll lediglich in seinem Aufbau einer kommunalen Struktur so nahe wie möglich kommen. Zentralisierung findet dort statt, wo es sinnvoll ist und Gelder einspart.
 
 
Auf welcher demokratischen Grundlage werden die Kandidaten gewählt, wenn die Wahlbeteiligung so gering ist wie z.B. bei der Europawahl oder vielen Oberbürgermeisterwahlen?
Diese Frage lädt zu folgenden Gegenfragen ein: Sollte man die Europawahlen oder die Oberbürgermeisterwahlen abschaffen, nur weil die Wahlbeteiligung gering ist? Wie hoch ist die Wahlbeteiligung in den einzelnen dänischen Organisationen heute und wie viele Vereinsmitglieder wissen überhaupt, wer ihre Vertreter sind? Die Frage stellt sich auch aus folgendem Grund nicht: Das Regionsmodel ist auf eine Vereinsstruktur gegründet, so dass sich in dieser Hinsicht nichts zu den heutigen Strukturen und Wahlverfahren ändert.
 
 
Weshalb präsentiert ihr ein nur halbfertiges Konzept?
Weil wir viele Fragen noch nicht abschließend beantworten können - Fragen, die eine professionelle Untersuchung von Möglichkeiten und Unwägbarkeiten bedürfen.
 
 
Wer könnte ein demokratisch gangbares, juristisch einwandfreies und vom politischen Arbeitsaufwand her, tragbares Konzept entwickeln?
Denkbar wäre eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern von Kommunernes Landsforening (KL), Juristen, die sich im Vereinsrecht spezialisiert haben, Vertretern vom Deutschen Städtetag sowie Zukunftsforschern.